Warmes Büffet und heiße Diskussion um Schwule im Beruf

Berlin. Am 10. Juni erklärten die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) „Corporate Diversity“ zum Thema des Tischgespräches. Der Anlass: Die Hirschfeld-Tage der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Der Rahmen: Fachvortrag und  Podiumsdiskussion mit kalt-warmem Buffet im Berliner SANA-Hotel.

Der Münchner Berater Florian Prittwitz-Schlögl präsentierte zum Auftakt eine brandneue Studie zur Wirkung von Diversity Management in Unternehmen. Wahrscheinlich das herausragendste Ergebnis: Wer sich als Arbeitgeber um seine lesbischen und schwulen Mitarbeiter kümmert, ist besonders bei Heteros besser angesehen. Ob sich diese Erkenntnis auch auf politische Parteien übertragen lässt?

Die Studie zeigt klare Unterschiede, auf welche unternehmerischen Werte die Angestellten und Bewerber ihr Augenmerkt legen. Für alle Gruppen der respektvolle Umgang miteinander wichtiger als vieles andere. Klischeegemäß: Lesben und Schwulen finden die sozialen Aspekte wichtiger als ihre „nichtdiversen“ Kollegen. Die Idee einer „Diversity-Quote“ kommt bei nichtdiversen Arbeitnehmern besser an als bei diversen, also in diesem Fall Lesben, Schwulen und Trans(*)sexuellen. In einer Podiumsdiskussion wurden die Ergebnisse der Studie vertieft und mit Leben gefüllt.

Moderiert von Helmut Metzner (LSVD-Bundesvorstand) unterhielten sich der Referent Florian Prittwitz-Schlögl, der Bundesvorsitzende von LiSL, Manfred Donack, und der Berliner Richter Dr. Peter Sdorra. Damit saßen zwei Generationen einander gegenüber, die feststellten, dass viele Unterschiede auch innerhalb der gleichen Generation bestehen. Auch heute gebe es in manchen Branchen mehr Akzeptanz als in anderen und in manchen Städten mehr als am Land. Auch Herkunft, Bildung und Persönlichkeit der Kollegen und Sensibilität des Vorgesetzten beeinflussen das Klima.

In einer offenen Runde diskutierten die Gäste sowohl mit dem Podium als  auch mit anwesenden Berufspolitkern aus Ländern und Bund. Erkenntnis: Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen spielen stark in den Berufsalltag hinein. Als Schwuler in einer Lebenspartnerschaft werde er wie ein verheirateter Hetero behandelt, berichtete ein Gast. Andere Teilnehmer wissen, dass selbst in höchsten Ebenen Homophobie nicht ausgemerzt ist und die lesbischen Lebenspartnerin teilweise mit „Empfehlung an den Gatten“ gegrüßt wird.

Der „dialogue et déjeuner“ war die erste öffentliche Diskussionsveranstaltung des vor zwei Jahren gegründeten Bundesverbands LiSL. Bei internationalem kalt-warmen Buffet waren viele interessierte Zuhörer anwesend, die die Gelegenheit nutzten, im Anschluss zwanglos miteinander zu sprechen. Auch der Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Jörg Litwinschuh war gekommen. Die Bundesstiftung ist Veranstalter der Hirschfeld-Tage, die den Rahmen für die Veranstaltung der LiSL bot. Einige Gäste der MILK-Messe, die am Vortag in Berlin Berufsperspektiven für LGBTIQ bot, schlossen das Wochenende in Berlin beim Brunch ab.

It Gets Better

Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander ALVARO, hat dazu aufgerufen, keine sexuelle Diskriminierung in Europa zuzulassen. Anti-Schwulen-Gesetze wie zum Beispiel im EU-Mitgliedsstaat Litauen, wo an den Schulen nicht über Homosexualität gesprochen werden darf, seien nicht akzeptabel. Auch die gleichgeschlechtliche Ehe solle überall in Europa zulässig sein. „Was Präsident Barack Obama in den USA anmahnt, soll uns Europäern als Beispiel dienen.“

Der FDP-Politiker begrüßte heute in Brüssel eine neue Initiative anlässlich des internationalen Tages gegen Homophobie mit dem Namen „It Gets Better“ und sagte ihr seine volle Unterstützung zu. „It Gets Better“ wurde im September 2010 ins Leben gerufen und soll Jugendlichen helfen, ihre sexuelle Orientierung zu finden und Anfeindungen der Umwelt standzuhalten. Alvaro: „Ich finde gut und notwendig, dass Jugendliche nicht alleingelassen werden, wenn sie ihre eigene Situation als anders, vielleicht sogar als problematisch empfinden. Es gibt immer eine Zukunft.“

„It Gets Better“, das von vielen Prominenten wie zum Beispiel US-Präsident Obama oder Schauspieler Colin Farell unterstützt wird, dreht unter anderem Videos, die im Internet zu finden sind und weltweit inzwischen mehr als 50 Millionen aufgerufen wurden.

Zum Video: http://youtu.be/GOYOWr4-DpA