Kritik am Artikel von Wolfgang Kubicki im Cicero zur Queer-Theorie

MITTEILUNG

Berlin, den 01. April 2026

Zu dem aktuellen Beitrag von Wolfgang Kubicki im Cicero erklärt der Landesvorstand von LiSL Berlin-Brandenburg:
 
Wolfgang Kubicki wirft der Queer-Theorie vor, unliberal und kollektivistisch zu sein. Die wissenschaftliche Debatte zeichnet ein differenziertes Bild: Seit den 1990er-Jahren wird die Queer-Theorie gerade dafür kritisiert, dass sie starre Kollektive (wie „das Subjekt Frau“) dekonstruiert und stattdessen die individuelle Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt stellt.
 
Aus liberaler Sicht kann das durchaus als begrüßenswert angesehen werden: Der Mensch ist nicht länger Gefangener einer binären Gruppenzugehörigkeit oder biologischer Determinismen. Die Queer-Theorie ermöglicht es dem Individuum, die eigene Identität jenseits staatlicher oder gesellschaftlicher Schablonen zu definieren. Wer die Befreiung des Individuums aus Kollektivzwängen ablehnt, handelt nicht liberal.
 
Während in Magazinen über die Deutungshoheit von Judith Butler gestritten wird, geht es für die Menschen in unserer Community um etwas viel Fundamentaleres: Sicherheit und Respekt. Queere Menschen existieren – unabhängig von akademischen Theorien. Ein trans-Mann oder eine nicht-binäre Person möchte nicht als „theoretisches Konstrukt“ behandelt werden, sondern als Bürger*in mit dem Recht auf Selbstbestimmung und ein diskriminierungsfreies Leben.
 
Wir weisen den Versuch zurück, die queere Community in „normale“ Schwule und Lesben einerseits und „ideologische“ TIN-Personen (trans, inter, nicht-binär) andererseits zu spalten. Diese Rhetorik ignoriert die historische Realität: Der Kampf für liberale Bürgerrechte, von Stonewall bis heute, wurde maßgeblich von denjenigen vorangetrieben, die heute als „zu queer“ diffamiert werden – darunter insbesondere schwarze trans-Personen.
 
Wir laden Wolfgang Kubicki herzlich ein, mit uns darüber zu diskutieren, wie wir die FDP gemeinsam als moderne Freiheitspartei positionieren, die keine Angst vor der Vielfalt des Individuums hat. Liberalismus bedeutet für uns: Jeder Mensch ist die einzige Autorität über das eigenes Leben.

Der Landesvorstand der Liberalen Schwulen, Lesben, Bi, Trans und Queer e.V. Berlin-Brandenburg
David Niermann, Jason Basler, Alena Jacobs, Felix Pilniok und Páo-Paul Pawlak